Fast
lächerlich empfand ich den Artikel einer Tageszeitung , als ich über eine Frau
las die wegen Ihrer Internetsucht , Ihre Familie so stark vernachlässigte das
Ihr Mann die Scheidung einreichte , und Sie schließlich alles verlor . Damals
dachte ich mir , die Zeitungsfritzen versuchen doch alles an Land zu ziehen
, nur um irgendetwas in Ihre Blätter zu bringen , um den übriggebliebenen Platz
, für den Sie keinen Artikel mehr parat haben auszufüllen . Es war mir immer
zu teuer , das sogenannte Internet , bis vor kurzen hatte man ja nicht viel
Möglichkeiten , wenn man nicht übertriebene Telefonrechnungen abkassieren wollte
.Als dann das Kabelfernsehen in unserer Stadt in das Internetgeschäft einstieg
, und einen Anschluss zum monatlichen Pauschalpreis anbot , egal wie lange man
online ist , konnte ich nicht länger wiederstehen . Besonders bei dem Gedanken
, das mein größerer Sohn sich in den Chatrooms verirren wird , daß sind Räume
im Internet wo man sich mit anderen Menschen online und live unterhalten kann,und
ich sicher auch nicht nur ein paar Minuten täglich vorhatte zu surfen um gleich
wieder abzuschalten , war diese Möglichkeit die ideale Lösung für mich . Ich
war begeistert , welche Vielfalt an Informationen das Internet bot . Täglich
entdeckte ich neue Seiten , die meine Begeisterun immer mehr beflügelte .Auf
meinem Schreibtisch stapelten sich PC Zeitschriften und Internetmagazine die
nur so vollgestopft waren mit neuen Adressen . Fast täglich ladete ich mir irgendwelche
Software von anderen Severn herunter , ich konnte gar nicht genug davon bekommen
.In den diversen Suchmaschinen holte ich mir immer mehr Adressen , die mich
in Ihren Bann zogen .Ich merkte gar nicht wie mich die Sucht immer mehr gefangen
nahm . Mein kleiner Sohn konnte nicht verstehen , das ich Ihn immerwieder vertröstete
, mit der Ausrede ich komme gleich und aus dem gleich wurden wieder ein bis
zwei Stunden , in dem er in seinem Zimmer saß und nicht verstehen konnte , daß
sein Vater keine Zeit mehr für Ihn hatte .Man muß ja nur den blöden Computer
abdrehen , und wir könnten wieder so richtig verstecken spielen oder etwas malen
oder einfach nur Spass miteinander haben muss er sich gedacht haben .Aber ich
sah sein trauriges Gesicht in dieser Zeit nicht , ich saß nur mehr vor dem Bildschirm
, und füllte ein Preisausschreiben nach dem anderen aus , oder holte mir irgendwelche
Programme oder unnützes Zeug auf meinen PC . Ich merkte gar nicht , das ich
und meine Frau eigentlich gar kein gemeinsames Gesprächsthema mehr miteinander
hatten , da ich Ihr ohnehin fast ausschließlich von meinen Entdeckungen erzählte
, das Sie nur mit einem Kopfnicken vernahm und ich immer wieder den Satz hörte
: Schön für Dich mein Schatz !
Eines Tages kam mein Sohn von der Schule nach Hause , ein fröhliches Hallo war
von der Eingangstür zu hören , ich saß wie immer vor meinem Computer . Schnurstracks
, gings vom Vorzimmer gleich in Richtung Küche , wo meine Frau schon mit dem
Essen auf Ihn wartete .Laut lachend hörte ich die beiden draussen , und es machte
mich neugierig was wohl so Lustiges vorgefallen sei , daß man so Herzzereißend
da- rüber lachen konnte . Er wird es mir gleich erzählen , dachte ich mir ,
ich schaue mir nur schnell die eine Seite noch an . Nach einiger Zeit , kam
mein Sohn herrein , er ging wortlos an mir vorbei , nicht´s von alledem worüber
die beiden so gelacht haben , wurde auch mir erzählt . Ich stand auf und ging
Ihm nach ,ich fragte Ihn , was er den so erlebt hatte , und warum er es mir
nicht erzählt hat . Du hörst mir sowieso nicht zu Papa , erhielt ich als Antwort
.Immer wenn ich Dir was erzählen wollte , hast Du nur auf deinen Bildschirm
gestarrt , und irgendein blödes Programm war dir anscheinend wichtiger als ich
.Ich hätte dir erzählen können ,daß mich ein Auto angefahren hat , und du hättest
mir wahrscheinlich als Antwort gegeben , wart ein bisschen ich bin gleich fertig
. Schön für dich mein Schatz ! Den tieferen Sinn dieses Satzes , den ich von
meiner Frau immerwieder in den Wochen davor hörte verstand ich jetzt erst .Mir
fiel der Zeitungsartikel ein , den ich jetzt gar nicht mehr als lächerlich empfand
.Es tat mir weh , daß mein Sohn und meine Frau , so über mich dachten , aber
ich war wirklich genau so geworden wie die Frau im Zeitungsartikel , die durch
Ihre Internetsucht Ihre ganze Familie zerstört hatte . Ich wollte auf keinen
Fall , daß meine Familie genauso endet . Und so beschloss ich ab sofort meine
Internetgier zu beenden , und ich hab´s auch geschafft . Heute sind wir wieder
eine glückliche Familie , ich surfe jetzt nur mehr ganz selten im Internet ,
und wenn ich merke , daß mich der Drang überkommt , diese oder jene Seite noch
anzuschauen , drehe ich sofort ab . Denn meine Familie ist mir das allerwichtigste
, und ich möchte Sie auf keinen Fall verlieren .

Internetsüchtig